Das Haus, das ganz umsonst gruselig war
An jenem Abend, in Kürbisweiler, schlenderten Zélie und Réglisse ganz am Ende des Weges, dort, wohin niemand mehr geht. Denn am Ende des Weges steht ein altes, ganz schiefes Haus, mit Fensterläden, die klappern, und Dielen, die knarren, das alle das Haus, das Angst macht, nennen. Réglisse fleht, dass sie nicht dorthin gehen: Jeder weiß, dass es spukt, es knarrt, es klappert, es stöhnt in der Nacht. Aber Zélie spitzt die Ohren und hört wirklich auf das Geräusch, das das Haus macht. Und je länger sie hört, desto weniger klingt es nach einem Geräusch, das Angst macht. «Findest du nicht, dass es eher ein trauriges Geräusch ist?» Als sie ganz sanft näher kommen, begreifen sie endlich: Es ist weder ein Gespenst noch ein Monster. Es klingt eher wie jemand, der leise weint. Denn das Haus, das Angst macht, ist in Wahrheit vor allem ein sehr einsames Haus. Seit niemand mehr kommt, es zu besuchen, fühlt es sich verlassen, und all sein Knarren sind nur seine großen Schluchzer. Es braucht nur, dass Zélie und Réglisse hineingehen, ein Lämpchen anzünden, sanft mit ihm sprechen und ihm Gesellschaft leisten, damit seine Fensterläden aufhören, vor Traurigkeit zu klappern. Diese Geschichte hilft deinem Kind, über den Schein hinauszublicken und zu verstehen, dass das, was Angst macht, manchmal etwas Trauriges oder Einsames verbirgt, das nur ein bisschen Freundlichkeit braucht. Sie zähmt sanft die Angst vor dunklen Häusern und Nachtgeräuschen, indem sie sie mit Zärtlichkeit statt mit Schauern füllt. Eine schöne Botschaft über Einfühlung. Und als das alte Haus, endlich getröstet, an allen Fenstern erstrahlt und nun vor Glück knarrt, hat es nichts Furchterregendes mehr: Es wird sogar zum gemütlichsten Ort von Kürbisweiler. Die Geschichte legt sich dann ganz sanft nieder, gewärmt von dieser brandneuen Freundschaft, genau rechtzeitig, um die Augen zu schließen. Zélie lässt sich nicht von der Angst der anderen mitreißen und beurteilt das Haus nicht nach seinem Ruf: Sie hört zu, bevor sie glaubt, was man ihr erzählt. Sich die Zeit zu nehmen, zu verstehen, was Angst macht, statt wegzulaufen, ist der ganze Geist der Tilibou-Gutenachtgeschichten. Und in der sanften Nacht klingt Réglisses Glöckchen ganz leise, wie eine kleine beruhigende Melodie. Eine sanfte Halloween-Geschichte ohne Bildschirm, für die Kleinsten ab 3 Jahren, ideal zum Zuhören schön kuschelig zur Schlafenszeit, im Auto oder vor dem Mittagsschlaf. Wie immer bei Tilibou bleibt das Ende ganz sanft, ohne Musik, um in den Schlaf zu gleiten, ohne jemanden zu wecken. Alle Tilibou-Gutenachtgeschichten auf